Lebenszyklusmanagement im Rahmen globaler Software-Entwicklungsprojekte
Ralf Trunko, FZI, Leiter Projekt GlobaliSE
Der Vortrag steht als PDF Dokument zum Download bereit.
Softwareunternehmen in Baden-Württemberg nehmen im Bereich der Unternehmenssoftware weltweit eine führende Rolle ein. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus der IT-Branche sind in der Lage, aufgrund einer hohen Lösungskompetenz und einer stark situationsorientierten Arbeitsweise sehr flexibel und dynamisch auf die spezifischen Besonderheiten ihrer Kunden einzugehen. Die Wettbewerbsposition der mittelständischen Softwareindustrie Baden-Württembergs wird heute jedoch durch die verstärkte Auslagerung von Entwicklungstätigkeiten herausgefordert. Der hiesige Fachkräftemangel in der Softwarebranche, verbunden mit der demografischen Entwicklung und das günstigere Kostenniveau in anderen Ländern führen zu einer Verlagerung von Aufgaben in Länder, in denen diese Fachkräfte in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Das steigende Qualifikationsniveau in diesen Ländern erlaubt es zudem, das Anspruchsniveau der zu verlagernden Aufgaben anzuheben. Längerfristig droht damit eine Auslagerung auch höherwertiger Softwareentwicklungsaufgaben und damit eines größeren Teils der Wertschöpfung aus Baden-Württemberg.
Das Projekt GlobaliSE hat in diesem Zusammenhang zum Ziel, dieser Auslagerung entgegenzuwirken und insbesondere die mittelständische Softwareindustrie des Landes in die Lage zu versetzen, die spezifischen und wertschöpfungsintensiven Teile der Softwareentwicklung im Land zu halten. Dies soll dadurch geschehen, dass den Softwarehäusern Methoden und Werkzeuge an die Hand gegeben werden, mit denen sie ihre spezifischen Stärken auch unter wirtschaftlichem Wettbewerbsdruck besonders ausspielen können.
Das Kernthema von GlobaliSE ist die für kleine und mittlere Softwareunternehmen praktikable Unterstützung des kompletten Lebenszyklus qualitativ hochwertiger, unternehmensspezifischer Softwaresysteme. Dabei sollen die Kernprozesse mit hoher Wertschöpfung im Land durchgeführt werden, wobei die global verteilte Auslagerung nicht-komplexer Teilsysteme ermöglicht werden soll. Hierbei sollen sowohl der Lebenszyklus der Geschäftsprozesse von Kunden als auch der Lebenszyklus der diese Prozesse unterstützenden Unternehmenssoftware berücksichtigt werden. Die Chancen der baden-württembergischen Softwareindustrie liegen genau dort, wo die Verzahnung von Geschäftsprozess- und Software-Engineering besonders eng, die Komplexität und der spezifische Wissensbedarf also besonders hoch ist. Im Rahmen des Vortrags soll das Projektvorgehen vorgestellt werden.
Ralf Trunko studierte von 1994 bis 2000 Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe (TH). Von 2000 bis 2003 war er am FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe im Verbindungsbüro für Förderung und Wirtschaft tätig. 2004 startete er seine Promotion am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) an der Universität Karlsruhe (TH) mit dem Thema "Kontextsensitive Ausnahmebehandlung in Geschäftsprozessen". Seit Mai 2009 arbeitet er wieder am FZI (Forschungsbereich Software Engineering) und leitet das Projekt GlobaliSE.
