Entwicklertag IT-Innovationen

Agilität und Gesundheitsförderung - Erfahrungen eines Praxisprojekts

Dr. Andreas Boes, ISF München
Christiane Kuntz-Mayr, SAP AG

Der Vortrag steht als PDF Dokument zum Download bereit.

Mit Blick auf die Gesundheit der Mitarbeiter in der IT-Branche lässt sich eine deutliche Zunahme von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen feststellen. Die in den Medien diskutierte Zunahme von Stress und Burnout bildet gegenwärtig nur die sichtbare „Spitze des Eisbergs“. Sie weist darauf hin, dass sich unter der „Oberfläche“ die Belastungssituation in der IT-Branche grundlegend verschärft hat und damit die Gesundheitsproblematik eine neue Bedeutung gewinnt.

Im Projekt DiWa-IT entwickelt das ISF München zusammen mit Partnerunternehmen aus der IT-Industrie wirksame Konzepte der Gesundheitsförderung. Der Ansatz des ISF stellt die Befähigung der Mitarbeiter zur Sicherung ihres gesundheitlichen Wohlbefindens in den Mittelpunkt einer nachhaltigen Gesundheitsförderung. Er begreift diese Befähigung als Ergebnis des gelingenden Zusammenwirkens von individueller Kompetenz und organisationeller Unterstützung.

In der Zusammenarbeit von ISF und SAP im Rahmen des Projekts wird deutlich: Für die Umsetzung eines modernen Konzepts der Gesundheitsförderung bietet die Einführung von agilen Methoden einen erfolgsversprechenden Ansatzpunkt. Agile Methoden sind für die Realisierung moderner Konzepte zur Gesundheitsförderung geradezu prädestiniert: Das Prinzip, Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, bietet großen Raum zentrale Fragen gesundheitlichen Wohlbefinden zu thematisieren. Der Grundsatz der Selbstorganisation des Teams und der darin angelegte hohe Anspruch an dessen Autonomie bietet Möglichkeiten, um einer systematischen Überforderung im Arbeitsprozess entgegen zu wirken und das Wohlbefinden zu stärken. Zusammen mit der ausgeprägten Offenheit für Veränderungen und der Orientierung an kontinuierlicher Verbesserung wird die Voraussetzung für die Etablierung von Lernschleifen während des gesamten Entwicklungsprozesses geschaffen. Im Mittelpunkt steht nicht die Befolgung eines vorher festgelegten Plans, sondern die permanente Überprüfung der Sinnhaftigkeit des Vorgehens im gesamten Team. Agile Methoden sind daher geradezu darauf angelegt, wichtige Ressourcen gesundheitlichen Wohlbefindens wie Selbstwirksamkeitserfahrungen, Teamunterstützung und die Ausbildung von Sinnstrukturen in der Arbeit zu stärken, wenn sie richtig gelebt werden.

ISF und SAP haben daher ein Projekt initiiert, mit dem die breite Einführung agiler Methoden bei der SAP genutzt werden soll, um die Gesundheitsförderung zu innovieren und weitergehende gesundheitsfördernde Effekte zu erreichen. Die SAP hat über mehrere Jahre Erfahrungen mit agilen Methoden gesammelt und plant diese nun verstärkt einzuführen. Die Einführung Entwicklung soll durch ein geeignetes Konzept zur Gesundheitsförderung ergänzt werden. Im Ergebnis erhoffen sich die Partner einen innovativen Beitrag sowohl zur Weiterentwicklung agiler Methoden als auch eines integrierten Konzepts zur Gesundheitsförderung.

Im Vortrag von Christiane Kuntz-Mayr und Andreas Boes werden die konzeptionellen Überlegungen erläutert und erste Erfahrungen bei der Umsetzung berichtet.

 

Andreas Boes PD Dr. Andreas Boes ist habilitierter Soziologe mit langjähriger Forschungs- und Beratungserfahrung in der Arbeits- und Industriesoziologie, unter anderem als Leiter des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung in Marburg (1991–1993), selbstständiger Forscher und Berater (1993–1998) und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der technischen Universität Darmstadt. Seit 2000 ist er am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung – ISF München tätig, wo er dem Vorstand angehört. Seit 2006 lehrt er zudem als Privatdozent an der Technischen Universität Darmstadt. Zu seinen wichtigsten, seit über zehn Jahren verfolgten Forschungsgebieten zählen die Informatisierung und Globalisierung von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft.

Christiane Kuntz-Mayr Christiane Kuntz-Mayr begann nach einem Studium der Betriebswirtschaft 1988 ihre Arbeit bei der SAP AG in der Softwareentwicklung. Von 2002 bis 2007 war sie Mitglied des Aufsichtsrates und in dieser Rolle Mitglied des Technologieausschusses; diese Rolle nimmt sie seit Januar 2009 erneut ein. Ihr Entwicklungsteam war eines der Ersten bei SAP, das sich ab 2005 mit agilen Entwicklungsmethoden befasste. Ab 2006 war sie Mitglied im Agile Center of Expertise der SAP. Seit Mitte 2008 ist sie stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrates. Sie setzt sich engagiert für Arbeitsweisen in der Softwareindustrie ein, die den Menschen mit seinen Erfahrungen und Fähigkeiten als Schlüsselfaktor begreifen. In den letzten Jahren hat Frau Kuntz-Mayr eine Ausbildung zur Wirtschaftsmediatorin und eine Ausbildung zum Coach absolviert.